Vlieseline ist eine aufbügelbare oder einnähbare Einlage, die Stoffen Stabilität, Form und Halt gibt – unsichtbar von außen, aber entscheidend für das Ergebnis. Auf dieser Seite erfahren Sie, wie Vlieseline funktioniert, welche Typen es gibt und wann welche Variante die richtige ist.
Vlieseline ist ein eingetragener Markenname der Freudenberg-Gruppe und bezeichnet eine breite Produktlinie aus Bügeleinlagen, Volumenvliesen, Stickvliesen und Klebewebs. Im Alltag wird der Begriff häufig als Oberbegriff für alle Bügeleinlagen verwendet – unabhängig vom Hersteller.
Technisch gesehen sind Fixiereinlagen Einlage- oder Zwischenstoffe mit einer Oberfläche aus schmelzfähiger Klebemasse. Durch Hitze und Druck verbindet sich diese Klebemasse dauerhaft mit dem Oberstoff. Das Ergebnis: Stoff und Einlage verhalten sich wie eine Lage. Folhoffer führt Einlagestoffe von Freudenberg (Vlieseline), Tenowo, Helsa und weiteren Herstellern – für jede Anwendung die passende Variante.
Alle Einlagestoffe lassen sich in zwei Grundtypen einteilen:
Bügelvliese (Fixiereinlagen) haben eine einseitige oder beidseitige Klebbeschichtung. Sie werden mit dem Bügeleisen auf die linke Seite des Oberstoffs aufgebügelt und verbinden sich dauerhaft mit ihm. Typische Produkte: H200, H250, Decovil I, H630.
Nähvliese haben keine Klebbeschichtung. Sie werden unter den Stoff gelegt und mitgenäht, oder direkt als Trägermaterial für Stickereien verwendet. Nach der Verarbeitung lassen sie sich ausreißen oder – im Fall von wasserlöslichen Vliesen – auswaschen. Typische Produkte: Stickvlies, Soluvlies.
Bügeleinlagen sind die häufigste Einlagenform in der Schneiderei. Sie stabilisieren Krägen, Manschetten, Knopfleisten, Jackenvorderteile und Hosenbünde. Je nach Gewicht des Oberstoffs und gewünschtem Griff wählt man zwischen sehr leichten Varianten wie H180 (für Seide, Viskose, Cupro) bis hin zu stabileren wie H410 (fadenverstärkt, für Wolle und Wildseide). Die gesamte Übersicht der Vlieseinlagen zeigt alle verfügbaren Gewichte und Ausführungen.
Volumenvliese geben Stoffen Fülle und Wärme, ohne sie zu versteifen. Sie werden für Quilts, Stepparbeiten, Taschen, Schlafsäcke und Winterbekleidung verwendet. Aufbügelbare Varianten wie H630 und H640 haften am Stoff und verrutschen beim Nähen nicht. Thermolam 272 wird ohne Bügeln eingelegt und mitgenäht – ideal für Topflappen, Quilts und wärmeisolierende Projekte.
Für Taschen, Gürtel, Hüte und formstabile Objekte gibt es Einlagen mit besonderem Griff: Decovil I hat einen lederähnlichen Griff, ist knickfest und sprungelastisch. Die Schabrackeneinlage S520 ist für breite, steife Anwendungen wie Raffrollos und Gürteln geeignet. Vliesofix ist ein beidseitiges Klebeweb zum Verbinden zweier Stofflagen oder Fixieren von Applikationen – ohne Nähen.
Stickvliese stabilisieren den Stoff beim Maschinensticken und verhindern Verziehen. Ausreißbares Stickvlies wird nach dem Sticken entfernt. Soluvlies ist wasserlöslich und wird kalt ausgewaschen – auch als Trägermaterial für Spitzen- und Collagentechniken. Solufix klebt selbst und erspart den Sprühkleber beim Einrahmen.
Die Klebemasse auf Bügeleinlagen besteht je nach Produkt aus Polyamid, Polyester oder Polyethylen. Durch Hitze (Bügeleisen Stufe 2–3, ca. 150–160 °C) und Druck schmilzt sie auf und verbindet sich mit den Fasern des Oberstoffs. Entscheidend ist: abschnittsweise aufdrücken (nicht schieben), ausreichend lang pressen (6–15 Sekunden je nach Produkt) und anschließend mindestens 20–30 Minuten flach auskühlen lassen – erst dann ist die Verbindung dauerhaft stabil.
Detaillierte Anleitungen für jedes Produkt finden Sie in der Verarbeitungsanleitung Vlieseline.
Ist Vlieseline waschbar?
Korrekt aufgebügelte Fixiereinlagen sind waschbar. Die zulässige Waschtemperatur richtet sich nach dem Oberstoff – nicht nach der Einlage. Wasserlösliche Stickvliese (Soluvlies, Solufix) lösen sich beim Waschen bewusst auf.
Kann man Vlieseline mit einem normalen Bügeleisen aufbügeln?
Ja. Ein Haushaltsbügeleisen reicht aus. Wichtig: immer absetzen und aufdrücken, nicht schieben. Bei empfindlichen Stoffen mit feuchtem oder trockenem Zwischentuch arbeiten und die Temperatur vorher an einem Reststück testen.
Warum löst sich die Einlage nach dem Waschen ab?
Häufige Ursachen: zu kurze Bügelzeit, zu geringer Druck, zu niedrige Temperatur oder das Teil wurde vor dem vollständigen Auskühlen bewegt. Auch ein fettiger oder feuchter Oberstoff verhindert gute Haftung. Den Stoff vor der Verarbeitung immer vorwaschen.
Was ist der Unterschied zwischen Vlieseline H180, H200 und H250?
Alle drei sind Vliesbügeleinlagen für Bekleidung, unterscheiden sich aber im Gewicht und Griff: H180 ist die leichteste und weichste Variante für zarte Stoffe wie Seide und Viskose. H200 ist etwas stabiler und für leichte Baumwolle und Polyester geeignet. H250 gibt mehr Stabilität – für Kleinteile, bei denen ein festerer Griff gewünscht ist.
Was ist Decovil und wofür wird es eingesetzt?
Decovil I ist eine aufbügelbare Einlage mit lederähnlichem Griff – dimensionsstabil, sprungelastisch und knickfest. Typische Einsatzbereiche: Stofftaschen, Gürtel, Hüte, Körbe und Raumausstattung. Decovil I Light ist die weichere Variante für denselben Zweck.
Was ist Vliesofix und wie unterscheidet es sich von einer normalen Bügeleinlage?
Vliesofix ist ein beidseitiges Klebeweb mit Trägerpapier – es klebt zwei Stofflagen aneinander, ohne Nähen. Es hat keine eigene Festigkeit wie eine Bügeleinlage, sondern dient ausschließlich zum Verbinden oder Fixieren (Applikationen, Kragen, Basteln). Das Trägerpapier wird vor dem zweiten Bügelschritt abgezogen.
Welche Einlage nimmt man für Quilts?
Für Quilts und Stepparbeiten werden Volumenvliese verwendet: H630 (aufbügelbar, leichter) oder H640 (aufbügelbar, dicker). Wer keine Klebbeschichtung möchte, legt Thermolam 272 ein und näht es mit.