Dieses Vliesband von Helsa Group helsaform mit 45 mm Breite steht am äußersten Ende der Kantenband-Serie. Es setzt eine Nahtzugabe von mindestens 45 mm voraus – eine Dimension, die in der industriellen Konfektion und bei handelsüblichen Hobbyschnitten nicht vorkommt, in bestimmten handwerklichen Kontexten aber durchaus ihre Berechtigung hat. Wer es bestellt, arbeitet nach Schnittsystemen, die großzügige Zugaben als festen Bestandteil der Konstruktion vorsehen: historische Schnitte, aufwendige Bühnenkostüme oder klassische Maßschneiderei nach überliefertem Handwerk. Die eingearbeiteten Längsfäden halten das Band in jedem Fall maßecht – egal wie oft das fertige Stück gereinigt wird.
Zusammensetzung: 100 % Polyester. Breite: 45 mm. Rolleninhalt: 100 m. Farben: Weiß und Grafit. Hersteller: Helsa Group helsaform GmbH. Aufbügelbar bei Bügelstufe 2, ca. 8 Sekunden Kontaktzeit pro Stelle. Waschbar bei 40 °C, nicht im Trockner, chemische Reinigung möglich. Grundregel für alle Breiten dieser Serie: Das Band muss vollständig innerhalb der Nahtzugabe liegen. Bei 45 mm Breite bedeutet das eine Nahtzugabe von mindestens 45 mm am betreffenden Schnittteil.
Vorderkanten an langen historischen Mänteln und Überwürfen, bei denen die Nahtzugabe nach alten Schnittsystemen 45 mm oder mehr beträgt. Fräcke und Gehröcke nach Vorlagen aus dem 19. Jahrhundert, bei denen die Vorderkante mit sehr breiter Zugabe gearbeitet ist, um das mehrfache Umschlagen und Absteppen der Kante zu ermöglichen. Bühnenkostüme in der Theaterschneiderei, bei denen schnelle Änderungen an Kanten und Zugaben eingeplant werden und das Band entsprechend Spielraum lassen muss. Saumkanten an bodennahen Kleidungsstücken wie Roben oder Umhängen, wenn der Saumeinschlag 45 mm beträgt. Für alle anderen Anwendungen – Standard- und Hobbykonfektion – ist das Vliesband 15 mm oder 20 mm die richtige Wahl.
Grafit für dunkle Oberstoffe – Schwarz, Dunkelblau, Anthrazit, schwere dunkle Wollgewebe. Weiß für helle bis mitteltonige Stoffe. Bei 45 mm Breite ist ein Farbtest vor dem endgültigen Aufbügeln besonders zu empfehlen: Ein kurzer Teststreifen auf einem Reststück des Oberstoffs zeigt sofort, ob das Band von der rechten Seite her sichtbar wird.
Positionierung: Bandkante bündig an die Nahtlinie anlegen, sodass das Band vollständig in der Nahtzugabe verschwindet. Bei 45 mm ist der Spielraum für Versatz minimal – präzises Anlegen mit einem Lineal oder Maßband empfiehlt sich.
Aufbügeln: Bügelstufe 2, leichter Druck, ca. 8 Sekunden pro Stelle, nicht verschieben während die Klebeschicht warm ist. Bei feinen oder empfindlichen Wollstoffen stets ein Bügeltuch zwischenlegen.
Rundungen: Band in gleichmäßige, nicht zu tiefe Falten legen und abschnittweise in die Kurve bügeln. Bei dieser Breite empfiehlt sich besonders sorgfältiges Vorformen vor dem eigentlichen Fixieren.
Auskühlen: Mindestens 20 Minuten flach liegend ruhen lassen, bevor die Kante weiterverarbeitet wird.
Eine Stufe schmaler für 40-mm-Nahtzugaben: Vliesband 40 mm. Alle Breiten der Serie im Überblick finden Sie unter Vliesbänder. Für die flächige Verstärkung von Vorderteilen in der klassischen Schneiderei stehen Gewebeeinlagen und Plack zur Verfügung. Wer Schulter- und Armlochkanten zusätzlich sichern möchte, findet das passende Produkt unter Nahtband.
Wann braucht man wirklich ein 45-mm-Kantenband?
Dann, wenn die Nahtzugabe am betreffenden Schnittteil tatsächlich 45 mm beträgt. Das kommt in der klassischen Maßschneiderei und der Theaterschneiderei vor – etwa bei historischen Kostümen nach Schnitten aus dem 18. und 19. Jahrhundert, bei langen Mänteln nach überlieferten Schnittsystemen oder bei Bühnenkostümen, an denen Zugaben bewusst großzügig angelegt werden, um spätere Änderungen zu erleichtern. Wer nach modernen Schnittmustern näht, hat in aller Regel keinen Bedarf an dieser Breite.
Kann man das Band auch auf Seiden- oder Futterstoffe aufbügeln?
Auf Seidengewebe und empfindliche Futterstoffe sollte das Band nicht direkt aufgebügelt werden, da die Hitze den Stoff beschädigen kann. In solchen Fällen empfiehlt sich das Einarbeiten des Bandes durch Einsteppen – die Klebeschicht wird nicht aktiviert, das Band wird mechanisch fixiert. Die Stabilisierungswirkung der Längsfäden bleibt dabei erhalten, die Haftwirkung fehlt allerdings.
Wie unterscheidet sich dieses Band von einem Saumbandstreifen aus Vlieseline?
Ein selbst zugeschnittener Vlieseline-Streifen hätte keine Längsfäden – er würde sich beim Aufbügeln in alle Richtungen dehnen lassen und beim Waschen einlaufen können. Das fadenverstärkte Kantenband ist in Längsrichtung durch die eingewebten Fäden dimensionsstabil und bleibt nach Wäsche und chemischer Reinigung maßecht. Für präzises Arbeiten an Kanten ist das konfektionierte Band dem selbst geschnittenen Streifen deshalb überlegen.
Gibt es einen Grund, 45 mm statt 40 mm zu wählen, wenn beide Breiten zur Nahtzugabe passen würden?
Nein – wenn beide Breiten in die Nahtzugabe passen, ist das schmalere Band die bessere Wahl. Es lässt mehr Spielraum in der Nahtzugabe, lässt sich leichter an Rundungen legen und hinterlässt weniger Auflagedruck auf dem Oberstoff. Das 45-mm-Band wird nur dann gewählt, wenn die Nahtzugabe genau 45 mm beträgt und das schmalere Band die Zugabe nicht vollständig abdecken würde.
Ist das Vliesband für Kostüme geeignet, die häufig chemisch gereinigt werden?
Ja – das Band ist für chemische Reinigung freigegeben. In der Theaterschneiderei, wo Kostüme über eine ganze Spielzeit regelmäßig gereinigt werden, hält die Klebeschicht und die Formstabilität der Längsfäden erfahrungsgemäß dauerhaft, sofern das Band beim Aufbügeln korrekt fixiert und vollständig ausgekühlt wurde.




